Elternzeit, und dann? Wertvolle Tipps zum beruflichen Wiedereinstieg – Im LML-Interview Esther Kimmel von KimmelCoaching

In der Elternzeit werden die Weichen oft neu gestellt und für den beruflichen Wiedereinstieg kann diese „Auszeit“ vom Job manchmal alles ändern. Dass die bisherige Arbeit nicht mehr passt, kann dabei vielerlei Gründe haben. So oder so, das Finden der Aufgabe, die unseren persönlichen Anforderungen genügt und zu unserer Lebenssituation passt, kann eine große Herausforderung sein. Egal, ob wir einen neuen Arbeitgeber von uns begeistern oder vielleicht sogar beruflich zu ganz anderen Ufern aufbrechen wollen. Wichtig ist, sich im Vorfeld über einige Dinge klar zu werden. Coach Esther Kimmel hilft Mamas auf ihrem Weg zum erfolgreichen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben. Im Interview verrät sie uns, was unseren Weg zum Traumjob blockiert, wie wir es angehen und in welche Fallen wir nicht tappen sollten.

Esther Kimmel hatte einen bewegten Werdegang. Sie ist studierte Kulturwissenschaftlerin und arbeitete lange begeistert in der Kommunikationsbranche. Unter anderem für ein Designcenter, als Pressesprecherin eines Verlages und für eine internationale Kommunikationsagentur. Sie nutzte diese Zeit für die berufliche Entwicklung und lernte viele spannende Menschen kennen. Gleich im ersten Berufsjahr wurde ihre Tochter geboren.

Da ich ein gutes Netzwerk hatte, ergab ein Job den anderen. Ich war erstmal nur froh (Achtung – Dankbarkeitsfalle), dass ich Familie und Job alleinerziehend unter einen Hut bekam und habe die Frage nach meinem Traumjob in diesen Jahren zurückgestellt.“

Dabei sollte sie es nicht belassen. Der Drang, doch noch den persönlichen Traumjob zu finden und zu verwirklichen, gewann zunehmend an Gewicht. Heute hilft sie auch anderen Frauen dabei.

Wie kamst Du auf die Idee zu Deinem Business, Müttern nach ihrer Elternzeit beim beruflichen Wiedereinstieg zu unterstützen?

Als alleinerziehende Mama war die Suche nach meinem Traumjob lange Jahre erstmal zweitrangig. Nach dem Tod meiner besten Schulfreundin habe ich, trotz vieler Bedenkenträger in meinem Umfeld, meinen unbefristeten Job gekündigt, um die beruflichen Weichen noch einmal neu zu stellen für eine sinnstiftende Tätigkeit. Die Gründung von Kinderliteraturhäusern war meine erste Idee.

In diese Zeit fiel die extreme Früh-Geburt meines Sohnes, die mich nochmals auf das Wesentliche im Leben besinnen ließ. In den Wochen am Inkubator ist mir schließlich der Businessplan für meine Coachingunternehmung förmlich aus der Feder geflossen. Mein Wunsch war und ist es, meine Klient*innen dabei zu unterstützen ihre beruflichen Wünsche und Ziele zu erkennen, in erreichbare Ziele zu verwandeln und diese souverän zu steuern.

Manchmal braucht es eine Talfahrt, um zum Höhenflug anzusetzen. Aber das sollte natürlich nicht die Regel sein. 😉

Was liebst Du selbst besonders an Deinem Job?

  • Fast alles (außer die Buchhaltung, die ich deswegen schon lange ausgelagert habe)
  • Unternehmerin zu sein und volle Verantwortung für jeden meiner Schritte zu übernehmen
  • Die Vielfalt der Menschen, denen ich tagtäglich begegne und die Begleitung an spannenden beruflichen Wendepunkten
  • Das Ermutigen zu neuen Sichtweisen und Perspektiven, um ins konstruktive Handeln zu kommen
  • Selbst immer wieder dazulernen zu dürfen 😉

Welche Fragen sollten Frauen sich stellen, um ihren Traumjob zu finden?

  • Wo bin ich wirklich in meinem Element?
  • Welche Stärken habe ich und welche Werte leiten mich?
  • Wie bleibe ich mir selbst treu?
  • Unter welchen Voraussetzungen möchte ich arbeiten?

Was sind Deiner Ansicht nach die größten Hemmnisse auf dem Weg zum persönlichen Traumjob?

Die größten Stolpersteine legen wir uns meist selbst in den Weg. Die gute Nachricht ist, dass nur wir sie ausräumen können.

Also die TOP drei Stolpersteine sehe ich darin,

  1. den eigenen Wert zu gering zu schätzen und kein Gefühl mehr für die eigenen Stärken zu haben.
    Das kann sich zum Beispiel im sogenannten Hochstaplerinnensyndrom zeigen. Gerade erfolgreiche Frauen haben oft das Gefühl eigentlich nichts richtig zu können und irgendwann entlarvt zu werden. Also in gewisser Weise Selbstsabotage durch Selbstzweifel. Kürzlich habe ich dazu einen Artikel veröffentlicht, da mir dieses Syndrom gerade bei besonders erfolgreichen Frauen immer häufiger begegnet.
  2. den Erwartungen anderer entsprechen zu wollen statt auf sich selbst zu hören.
  3. alles perfekt und richtig machen zu wollen, statt mutig etwas Neues auszuprobieren und Fehler dabei einzukalkulieren.

Welche Tipps hast Du für Frauen/Mamas, die nach der Elternzeit den beruflichen Wiedereinstieg wagen und wieder Fuß fassen möchten im Job?

  • SELBSTREFLEXION
    Reflektiere Dich regelmäßig selbst, z.B. durch das Schreiben eines Tagebuchs:
    Wie habe ich mich verändert? Welche Wünsche und Ängste habe ich in Bezug auf meine Karriere mit Kind oder Kindern? Was brauche ich, um wieder gut starten zu können? Wovon will ich mehr und wovon weniger? Wer kann mir dabei behilflich sein? Wen bitte ich um was?
  • LOSLASSEN
    Fühle Dich nicht per se für alles verantwortlich, sondern fang an Aufgaben (dazu gehört auch der mental load, den Du trägst) abzugeben.
  • NETZWERKEN
    Halte regelmäßigen Kontakt (online und/oder offline) zu Kolleg*innen und Chef*innen, aber suche und knüpfe auch neue Kontakte! Sie sind Gold wert, gerade auch dann, wenn Du Dich beruflich verändern möchtest.
  • OPTIMIEREN DER BEWERBUNGSUNTERLAGEN
    Bringe in Deinem eigenen Interesse Deine Bewerbungsunterlagen auf einen exzellenten Stand und präsentiere Dich so von Deiner Schokoladenseite. Damit machst Du Dir Deine Stärken bewusst und boostest nebenbei Dein Selbstbewusstsein. Zudem netzwerkst Du selbstbewusster, da Du Deine Unterlagen auf Knopfdruck versandbereit hast. Bei der Gelegenheit: Schreibe eher kantige statt brave Anschreiben! 😉
  • MUTIG SEIN
    Bewirb Dich auch auf das, was Du noch nicht kannst!

Manche Frauen nutzen die Elternzeit auch für eine berufliche Neuorientierung. Wie sollten die Mamas das am besten angehen?

Mamas haben oft wenig Zeit, deswegen geht es erst einmal darum sich freie Zeitfenster zu verschaffen und diese dann zu nutzen, um zum Beispiel Fragen wie diese zu klären:

  • ERKENNEN / KLARHEIT GEWINNEN
    • Wer bin ich? (Stärken, Werte, Interessen)
    • Was motiviert mich? Was sollen sich meine Kinder über mich erzählen? (Innere Antreiber)
    • Was kann ich? (Kompetenzen)
    • Was blockiert mich? (z.B. Glaubenssätze)
  • WOLLEN
    • Was will ich? (Vision, Ziele, Vereinbarkeit von x und y)
  • TUN
    • Wie erreiche ich mein Ziel und welches sind die nächsten realistischen Schritte für mich?

Was rätst Du Frauen, die eine eigene Business-Idee verwirklichen wollen?

  • mit Frauen ins Gespräch gehen, die bereits selbständig sind,
  • sich Vorbilder von geglückten Unternehmungen suchen,
  • frühzeitig über die eigene Geschäftsidee reden und dabei auch kritisches Feedback wertschätzen,
  • einen Existenzgründerkurs besuchen, um Gleichgesinnte zu treffen,
  • einen ersten Businessplan schreiben, um die Business-Idee auf Machbarkeit zu prüfen,
  • dranbleiben!

 

Wo siehst Du Hausaufgaben für Deutschland in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Da gibt es noch eine Menge zu tun. Obwohl wir in einem fortschrittlich und oberflächlich im Vergleich gleichberechtigten Land leben, gibt es hier noch jede Menge Handlungsbedarf.

Fangen wir mal mit unserem Steuersystem an: Das Ehegattensplitting ist aus meiner Sicht eine Form der Anstiftung zur Altersarmut, besonders für Frauen. Obwohl die Konsequenzen allgemein bekannt sind, verführt es weiterhin viele Familien zu Alleinverdienerehen. Das Steuersystem diskriminiert damit vor allem Frauen und setzt damit negative statt positive Anreize für die Erwerbstätigkeit von Frauen. Das steht der Vereinbarkeit von Familie und Beruf diametral entgegen. Gerade während der Coronazeit sind die Stereotype wieder stärker zutage getreten.

 

Wenn Du für Frauen etwas „bewegen“ könntest, was wäre das und warum?

Das ist eine gute Frage. Darüber habe ich kürzlich mit meiner großen Tochter Jana gesprochen, die gerade das Buch von Florence Given „Women don´t owe you pretty“ gelesen hat. Sie rät zur Vorsicht bei der Erfüllung von typisch weiblichen Attributen, nämlich immer nett, flexibel und super organisiert zu sein und stattdessen Projektionen selbstbewusst zu widersprechen. Zudem erzählte mir meine Tochter, wie sehr es sie bestärkt, sich mit anderen jungen Frauen in ihrem Alter zu verbinden, die Konkurrenzgedanken beiseite zu schieben und voneinander zu lernen. Das ist aus meiner Sicht eine Stärke von Frauen, die sie unbedingt nutzen sollten.

Auch ich setze mich dafür ein, dass Frauen selbstbewusst und mutig ihren eigenen Weg gehen und sich nicht einschüchtern lassen, zum Beispiel durch Elternzeit-Diskriminierung, die ich immer wieder erlebe. Denn ganz gleich wie Mütter sich nach der Geburt entscheiden, sie machen es in der Regel falsch. Haben sie nur acht Wochen Elternzeit genommen, sind sie unsympathische, ambitionierte Rabenmütter. Waren sie ein Jahr oder mehr zu Hause und wagen dann den beruflichen Wiedereinstieg, kann ihnen Karriere nicht wirklich wichtig sein. Da hilft nur, selbst eine klare Haltung zu entwickeln und zu vertreten.

Ich setze mich in meiner Beratung auch dafür ein, dass Frauen ihren Qualifikationen und Möglichkeiten entsprechend arbeiten und nicht in Jobs, für die sie formal und real überqualifiziert sind. Und natürlich ermutige ich Frauen für ihren leistungsgerechten Lohn einzutreten und ihre Glaubenssätze zum Thema Geld bei der Gelegenheit auf den Prüfstand zu stellen.

 

Danke für das schöne Interview, liebe Esther!

 

Dein Extra für den beruflichen Wiedereinstieg

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Und noch ein Tipp von Esther

Hier kannst Du Dir eine Liste sinnstiftender Jobportale herunterladen.

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